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welt2raum - das camp
/der rückblick/ |
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Persönliche Zeilen des Rückblicks von Severin (hier als pdf):
Lustnau 10. 11. 2004 - ?. 11.2004
Meine Eindruck vom Camp mit fast vier Monaten Abstand
( !!!! ROHFASSUNG !!!! )
Camp 2004, Sommer, Sonne, Gaudi halt.... nee wie war das nochmal genau, dass ist ja schon solange schon her, draußen schneits, ich hab heute schon Schneebälle geworfen. Trotzdem versuche ich jetzt mit soviel Abstand oder genau deswegen zu verarbeiten was damals passiert ist, was das zu bedeuten hatte und was davon übriggeblieben ist. Ich fang am besten mit dem Anfang an.
Irgendwann im Frühsommer kam diese Idee auf, etwas zu schaffen. Timo, Axel, Fernando, Fernando und Pedro brachten den Stein zum Rollen. Naja sind alles meine Kumpels also mach ich mit, wird ja sicher lustig dacht ich mir. Um was es geht? Hatte ich nicht so wirklich Ahnung, aber was auf die Beine stellen ist doch gut, neue Leute kennenlernen auch, abchecken organisieren sowieso...
Gesagt getan, bald finde ich mich wieder beim Flyer malen, verteilen und wiederverwerten.
1.
Treffen im Schlatterhaus, ne ganze Menge von Leuten, viele Gesichter viele Ideen ...totales Chaos, doch schon beim 2. treffen mit weniger Leuten und unter der Moderation von Matze, Philipp K. und mir finde ich gefallen Ordnung im Chaos zu sehen und weiterzumachen......
2.
Auf der Rothenburg: Unzählige Male radelt ich mittwochs dort hinauf, meist zuspät gesellte ich mich dazu in die Runde der Fragen, fragenden Gesichter und Ideen, Utopien, Wünsche und Ängste, Ideologien und Verzweiflung, Hoffnungen und Illusionen..
Jedesmal war gleich und doch anders, von mal zu mal gab es mehr Fragen und auch mehr Antworten, von mal zu mal wurde die Gruppe mehr zu einer Gruppe, von mal zu mal fand ich einen besseren Weg meine Ideen einzubringen bei gleichzeitigem sich steigerndem Respekt für die Anderen und ihre Sicht, von mal zu mal wollte ich dass weniger geredet und diskutiert wird und mehr gemacht wird, wollte mehr geschehen sehen ….
Doch bei all den positiven Eindrücken die mein Gehirn gerade durchfluten, merke ich doch dass ich das was nicht so dolle lief auch nicht verleugnen sollte.
Es wurden Ideen und Vorschläge gemacht, es gab große Visionen was nicht alles passieren sollte, viel sollte anscheinend geschehen, doch es passierte reichlich wenig, wer war wirklich bereit zu geben, wer machte sich nicht nur mittwochs ab 19.00 Gedanken darüber, wer war sich wirklich dessen bewusst was er fordert, bzw. was es zu tun gibt und wie sein Teil aussehen sollte.
Ich denke wenige. Wenige schafften es sich einem Teil des Alltags freizumachen, Freiräume dafür zu schaffen, wirklich Energie zu investieren, wenige waren es die den Worten auch Taten folgen ließen.
So war es ein kleiner Kern von Enthusiastischen und Motivierten die die Idee durch ihr Zutun am Leben hielten. Ein kleiner Kern war bereit die nötige Konstanz zu bieten. Dieser Kern war es der die Basis legte für all das was geschehen sollte, diese paar waren es die auch mal die Drecksarbeit erledigt sehen wollten, die paar waren es die sich die nötige Zeit nahmen um zu sehen was es alles zu tun gibt. Es waren ein paar die, getragen von der Idee und in der Hoffnung zu einem späteren Zeitpunkt mehr Mitstreiter an ihrer Seite zu haben, glaubten das die Notwendigkeit für so ein Camp bestehe. Diese paar fanden den nötigen Spaß und die nötige Energie in der Idee.
Doch war es neben all der Erfüllung die ich darin fand nicht immer leicht, manch ungeliebte Aufgabe konnte noch durch Selbstmitleid und „das Gefühl des Märtyertums“ durchgestanden werden. Doch gab es auch Momente die ich zumindest nicht nochmals erleben möchte. Besonders das Gefühl auch für andere zu arbeiten, die einem dann im Zeitpunkt der Not nicht den nötigen Halt und die nötige Unterstützung gaben war für mich sehr traurig und enttäuschend. Das Gefühl, die Ungewissheit und die Verantwortung für so etwas Großes für gewisse Momente alleine tragen zu müssen war hart.
Ich machte damals niemandem einen Vorwurf und will es auch heute nicht machen. Doch denke ich sollte man sich immer bewusst sein zu was man sich bereit erklärt hat, was man fordert und was man wirklich tut. Da ich niemandem einen Vorwurf machen will doch zumindest einen Tip geben will halte ich es mit dem jamaikanischen Volksweisheit „Action speaks louder than argument“.
Ich sehe es auch heute noch als ein Problem dass z.B. bei Treffen des Welt2raums oft Ideen eingebracht werden und Sätze mit : „wir könnten doch mal.....“ begonnen werden. Neben der positiven Kreativität die solchen Vorschlägen meist entspringt, sehe ich es als Problem an, wenn es immer nur dabei bleibt, die anderen mit in die Planung mit einzubeziehen. Ich denke jeder einzelne ist zu vielem fähig also sollte man einfach beginnen zu machen und falls jemand Lust hat macht er eher mit wenn er sieht da geht was, als wenn der Urheber der Idee, selber nicht seinen Arsch hochbekommt, während jeder einzelene selber noch andere Ideen hat.
Auch denke ich sollte man sich bewusst sein welche positive Energie man ausstrahlt durch nicht geäußerten Unmut oder posititve Resonanz zu dem gesagten oder geplanten. Denn es wird Leute geben die sich durch die daduch enstehende positive Energie bestärkt fühlen und auch denken werden, dass die anderen dann schon helfen werden. Wenn dem aber nicht so geschieht stehen die Organisatoren auf einmal alleine da mit ihrem projekt zu dem die anderen sie bestärkt haben, wofür sie schon viel energie bereitgestellt haben und es dann kurz davor nicht mehr einfach abbrechen werden….
Doch war der Weg zum Camp sicherlich neben all den Problemen, Strapazen und Generve dominiert von Positivem was die Gruppe immer weiter hat machen lassen.
Irgendwann war es dann soweit und ich fand mich auf dem riesigen Festplatz wieder, ich hatte einen Rucksack dabei und die feste Überzeugung diesen Flecken Erde die nächsten Tage nicht zu verlassen, ich war angekommen und fühlte mich gleich sehr wohl. Ich war dort morgens angekommen, Andi und Markus waren auch da, nach der Platzübergabe durch Herrn Beuter vom Ordnungsamt, fühlte ich ein Gefühl des Triumphes über all die Steine die uns in den Weg gelegt wurden, über all die Probleme. Doch jetzt schien alles vergessen, endlich war die Zeit gekommen nicht mehr zu planen, zu telefonieren und irgendwelche Listen abzutippen, jetzt war es an der Zeit Handfestes zu erledigen. Und genau das war es was mir in der ganzen Zeit des Camps so erfüllte die bodenständige Ehrlichkeit der Arbeit, in Verbindung mit der Freude und dem was man dahinter sah. Von Anfang an hatte ich das Gefühl das daß was Großes wird, das ich dort goldrichtig aufgehoben bin.
Positives auf dem Camp
Ich fühlte mich sehr gut darin für mich und für die anderen zu arbeiten, nur für mich Pausen zu machen und fast immer das Gefühl zu haben gerade das Richtige zu machen.
Ich war unglaublich froh zu sehen, dass fast alles so gut klappte und das Konzept der Selbstverwaltung im Großen und Ganzen aufging.
Ich war sehr froh zu sehen dass meine Freunde und Familie dem Camp ihre Ehre erwiesen und es für gut befanden.
Es war ein Forum für all die Sachen die meiner Verrücktheit und Kreativität im Kreise meiner Freunde in den letzten Jahren entsprungen ist, ich hatte noch nie das Gefühl für einen Beach Bs Auftritt eine passendere Gelegenheit gefunden zu haben.
Ich hatte noch nie ein bessere Gefühl dabei meine Sachen so unbeaufsichtigt zu lassen.
Ich hatte noch nie das Gefühl fremden so offen zu begegnen, und im Gegenzug dafür ein ehrliches Bild von jenen zu bilden.
Ich hatte ein unheimlich gutes Gefühl was mich und die Sache anbelangt.
Ich habe seit dem ich in Tübingen bin noch nichts gemacht was mich so erfüllt hat und was so eine positive Erinnerung in mir hervorruft.
Negatives :
Ich sehe dass der Konsum von Rauschmitteln z.T. ein bisschen übertrieben wurde.
Ich mußte im Camp um im Vorfeld erkennen dass es Hierachielosigkeit nicht zu 100 % geben kann, es wird immer Leute geben die mehr Feuer im Arsch haben als andere, den es mehr unter den Fingernägeln brennt, die sehen wollen dass etwas geschieht und nicht warten können bis alle die Notwendigkeit erkennen. Somit werden diese Leute damit immer einen Vorsprung an Wissen, Erfahrung und Bewusstsein haben aus welchem sich eine höhere Bedeutung ihrer Person für den Prozess ergibt. Ich denke dies kann man nur krampfhaft verhindern und würde somit auch den Prozess stoppen. Ausserdem bin ich der Meinung dass dies Natur gegeben ist und somit seinen Ursprung in den Menschen selbst hat.
Ich denke Hierachielosigkeit ist unnatürlich, gezwungen und ineffektiv, dass heisst nicht dass man es nicht weiter versuchen soll. Doch jeder hat seinen eigenen Weg sich einzubringen und sobald dies zu jedem Zeitpunkt gewährleistet ist bedarf es gar keiner Hierachielosigkeit mehr.
Gedanken für die Gegenwart:
Ich bin froh zu sehen dass es momentan im verkleinerten Kreis von welt2raum weitergeht, eigentlich ist es nur ein vergrößerter Freundeskreis aber das war es ja schon immer. Montagliche Treffen , Kauf-nix-Tag , Tunnel-action... Es bewegt sich weiter auch im Winter und dass mit ca. 50 % Frauenanteil (zumindest zwischenzeitlich)!!!
Gedanken für die Zukunft:
Der Festplatz ist meiner Meinung nach der einzige Ort in Tübingen wo es möglich ist Auge in Auge mit der Realität zu versuchen etwas anderes zu leben. Falls ein nächstes Camp an einem Platz ferner von den „Normalen“ stattfinden sollte befürchte ich, dass es eine Entwicklung in Richtung Hippie-Rainbow wird.
Doch ich denke es sollte egal wie weiter gehen !!
Falls es nochmals stattfindet werde ich mit Wehmut nicht daran teilnehmen können und doch im Geiste bei euch sein und euch meine mentale und schriftliche Unterstützung geben.
Ich freue mich darauf eines Tages meinen Enkeln davon zu erzählen.
Danke allen die dabei waren, besonders den „Zigeunern“ sie haben das Camp für mich auf eine Weise bereichert von der ich im Vorfeld nicht zu träumen gewagt habe.
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