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PortoAlegre2
/aij2005 - übersetzte texte von der iyc-website/
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Was ist das "Acampamento Intercontinental da Juventude"?
(Übersetzung des Textes "O que è" der offiziellen Campwebsite: www.acampamentofsm.org)
Widerstand
Die letzten zehn Jahre haben wir verschiedene Konflikte und Formen des Widerstandes gegen das "hegemoniale" Denken in verschiedeneren Sektoren der Zivilgesellschaft beobachten können. Von dem Aufstand der Zapatisten in Chiapas,México, hin zu den grossen Demonstrationen in Europa, den USA, in Argentinien und in Kanada, wurde noch offensichtlicher, dass viele der existierenden Konflikte nicht innerhalb der bestehenden Institutionen gelöst werden können.
Obwohl in vieler Hinsicht unterschiedlich, haben die genannten Widerstandsinitiativen doch gemein, dass sie jegliche Arten von totalitären wirtschaftlichen Konzepten ablehnen und sich in Fragen wie der Erhaltung der Umwelt, dem Leben in der Gesellschaft, dem Respekt von Vielfältigkeit, der Umverteilung des Reichtums und der Verteidigung der Menschenrechte engagieren.
Die Etablierung des Weltsozialforums (WSF) im Jahr 2001 ist schließlich der grosse Versuch, verschiedene Gruppen und Individuen, die Praktiken zur Veränderung von politischen Handlungsweisen auf lokaler und globaler Ebene finden und verbreiten wollen zusammenzubringen. Die behandelten Themen wurden in verschiedenen Achsen organisiert und in Konferenzen, Seminare und Workshops diskutiert. Dieser erste WSF war die Initialzündung für einen Prozess in dessen Verlauf in den folgenden Jahren weltweit viele andere Foren mit regionalen oder thematischen Schwerpunkten entstanden.
Die wichtige Rolle der "Juventude" (Jugend)
Da die Teilnahme an den WSF-Aktivitäten nur offiziellen VertreterInnen von Organisationen vorbehalten war besetzten Jugendliche im Verlauf des ersten WSF den Parque Harmonia, einen öffentlichen Park in Porto Alegre-Stadt. So entstand das erste Acampamento Intercontinental da Juventude (Interkontinentales Camp der Jugend), das sich eigene Mittel und Wege schuf, um sich Gehör zu verschaffen und seine eigenen Themen zu diskutieren.
Der Organisationsprozess
Diese Aktivitäten brachten einen Prozeß ins Rollen, dessen Schwerpunkt darauf lag, die auf dem WSF diskutierten Alternativen auch in die Praxis umzusetzen. Ursprünglich eng verknüpft mit Initiativen aus Kreisen von jungen AktivistInnen aus dem Umfeld linker Parteien und der StudentInnenbewegung, entwickelte sich das Interkontinentale Jugendcamp ab dem Treffen der Wirtschaftsminister in Buenos Aires im Jahre 2001 immer mehr zu einem Raum für alternative Formen, die dem vorherrschenden Gesellschaftsmodel entgegengesetzt werden.
Die Besetzung des Parque Harmonia war vollzogen worden, um Fragen betreffend der Umwelt, der räumlichen Dynamik und die Beziehung zu den Einwohnern von Porto Alegre aufzuwerfen. Neben einer minimalen Infrastruktur, die schon vor Ort vorhanden war, wurden alle Räume für Aktivitäten wie Diskussionen etc. von Studierendenoranisationen, Bauern, Arbeitslosen, Strassenkindern, Künstlern, Gemeindemitgliedern und AktivistInnen aus vielen Ländern organisiert - und zwar immer basierend auf Ideen wie Nachhaltiger Entwicklung, Biokonstruktion und Minimalisierung der Auswirkungen auf die Umwelt.
Die Mobilisierung griff um sich und brachte AktivistInnen von den Universitäten, besonders aus den Bereichen Architektur, Kommunikation, Informatik, den Sozialwissenschaften, Biologie usw. zusammen. In der zweiten Ausgabe des Camps wurden zunehmend auch Soziale Bewegungen in den Prozess einbezogen. Außer der Beteiligung von Gruppen und Individuen vor Ort wurden auch Mobilisierungskommitees in anderen brasilianischen Bundesstaaten gegründet, so z.B. in Rio de Janeiro, São Paolo und in Fortaleza.
In dieser zweiten Ausgabe wurde das Camp in drei Hauptachsen organisiert - in eine Achse des Wohnens, eine des kollektiven Zusammenlebens und eine dritte Achse der Aktivitäten. Der von etwa 15 000 Menschen aus verschiedenen Ländern besetzte Raum an den Ufern des Guaiba-Sees, der Carlo-Giuliani-Stadt der Jugend getauft wurde, verwandelte sich während des Weltsozialforums in einen Raum des kollektiven Zusammenlebens ("convivencia"). Fünf Tage lang sendeten freie Radioprojekte live vom Camp; Für Aktivitäten und Diskussionen wurde die vorhandene Technologie in der "Kommunikationsfabrik" genutzt, in der sich auch der Presseraum der "Stadt der Jugend" befand und die mit freier Software operierte. Unter den Teilnehmern entwickelte sich ein starkes Zusammengehörigkeits- und Verantwortungsgefühl, was zum Beispiel in der funktionierenden Müllvermeidung und -entsorgung im Camp sichtbar wurde. Die Achsen der Aktivitäten, die "Axônios" genannt wurden, waren Bühne für zahlreiche Demonstrationen und Darstellungen der verschiedenen teilnehmenden Kulturen. Bis zu diesem Zeitpunkt exisiterte kein effizienter und horizontaler politischer Verwaltungsprozess für das Camp, der geeignet gewesen wäre die Reproduktion von den üblichen Unterdrückungsformen in der Gesellschaft zu verhindern. Diese Herausforderung stiess den Organisationsprozess zu einem dritten Camp im Jahr 2003 an.
In dieser Periode veränderten sich in Brasilien die politischen Rahmenbedingungen. Im Jahr 2003 erkannte die Organisation des Forums das Camp als legitimen, eigenständigen Raum an, der unabhängig neben dem Weltsozialforum existiert. Das Forum unterstützte die Organisation des Camps und verlegte einen Teil seines Programms auf das Campgelände.
Das Camp wurde die "Stadt der Städte" getauft. Für einen Zeitraum von zehn Tagen, währenddessen auch das Welterziehungsforum stattfand, zelteten dieses Mal 26 000 Menschen im Park Harmonia, die sich von Lebensmitteln ernährten, die von Kleinbauern produziert wurden und ein kleines selbstorganisiertes Netz von Kollektiven im Sinne einer solidarischen Ökonomie nutzten. Eine eigene Währung wurde entwickelt, um diese autonomen Handelspraktiken zu vertiefen. Vorschläge zur Verwaltung basierten auf den gemachten Erfahrungen in horizontaler Organisation.
Die Idee des Camps generell besteht darin, Lösungen für verschiedene miteinander verknüpfte Fragenbereiche, wie der Besetzung von Raum, zu sanitärer Infrastruktur, Müllmanagement, Lebensmittel, alternativem Geld, Tauschmärkte, Reduzierung von Eingriffen in die Umwelt, Zirkulation von Informationen, öffentliche Sicherheit und kollektivem Zusammenleben ("convivencia") zu entwickeln. Dieses sind erste Schritte bei dem Aufbau eines praktischen Versuchslabors, das seine Teilnehmer permanent herausfordert, sich an den täglichen Fragen des sozialen und politischen Lebens in diesem Raum zu beteiligen und Verantwortung beim Aufbau und der Aufrechterhaltung dieses Prozeses zu übernehmen.
Eine andere Welt in Mumbai
Das vierte Interkontinentale Jugendcamp fand vom 26. bis 31. vom Januar 2004 in Mumbai, Indien statt und brachte ungefähr 5000 junge Leute aus verschiedenen Ländern, vornehmlich aus Indien und seinen Nachbarländern zusammen. Die Logistik des Camps befand sich auf dem Gelände der katholischen Hochschule Don Bosco, was zu einer größeren Isolation und Kontrolle des Camps auf Druck des Forum und der Stadtverwaltung führte. So gab es zum ersten Mal ein Camp in einem abgeschlossenen Raum mit Eingangskontrolle.
Die architektonische Gestaltung des Camps wurde darauf ausgerichtet, für alle Teilnehmer Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten, da in Indien nur sehr wenige Leute Camping-Ausrüstungen besitzen. So wurden Schlafräume und Räume für Aktivitäten aus Bambuskonstruktionen mit Baumwollmauern und -dächern und mit Ventilatoren errichtet. Da die Aufbauarbeiten von für den Event angeheuerten Arbeitern errichtet wurden, bestand leider wenig Gelegenheit für kollektive Aufbauarbeiten. Bemerkenswert war, dass das gesamte Baumaterial nach dem Camp recycelt wurde.
Ein weiterer Unterschied zu den vorangegangenen Camps war, dass es getrennte Schlafräume für Männer und Frauen gab, was in der Praxis aber nicht strikt gehandhabt wurde. Viele Konferenzen und Seminare wurden im Camp abgehalten und kultureller und politischer Tausch wurde ermutigt. Für ausländische TeilnehmerInnen gab es viele Gelegenheiten, in Kontakt mit den Leuten vor Ort und deren Ideen und Lebenswirklichkeiten zu kommen. TeilnehmerInnen aus der "westlichen" Welt waren auf dem Camp in der Minderheit und wurden von den asiatischen TeilnehmerInnen beachtet und oft direkt angesprochen. Leider wurde das Zeltlager weit weg vom Veranstaltungsort des Sozialforums eingerichtet, was aus dem Verhältnis des Camps zur Organisation des Forums und den Dynamiken resultierte.
Die Herausforderung
Mit der Rückkehr des Weltsozialforums nach Porto Alegre, soll das Interkontinentale Jugendcamp dieses Jahr in seiner fünften Ausgabe zu einem Brennpunkt für alternative und anti-kapitalistische Praktiken, Erfahrungen, Diskussionen und dem Austausch verschiedener Gruppen und Individuen werden. Ein weiteres Ziel besteht in der Weiterverbreitung der Idee des offenen, horizontalen Camporganisationsprozesses als zumindest temporäre Umsetzung dieser Utopie. Parallel dazu wird es entscheidend sein, schon bestehende Projekte dieser Art Idee zu vernetzen, um Erfahrungsaustausch und die Einbettung der einzelnen Projekte in den globalen Kontext zu ermöglichen.
Ziel des Camps 2005 ist es, verschiedenste politische Kämpfe und temporäre wie auch langfristige Initiativen, die Alternativen erarbeiten und leben auf lokaler und globaler Ebene zu vernetzen und damit die globale Politik in ihren verschiedenen Kontexten zu beeinflussen
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