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/aktuelle berichte vom 5. acampamento intercontinental da juventude/
Die Transparenz der TeilnehmerInnen ist bei basisdemokratischen Prozessen Grundbedingung!
PoA 16.2.05:
kreative anarchie oder chaos?...

Jaaaaaa, das Camp. Zwei Wochen ist es nun schon vorbei, wir haben schon viel darüber geredet oder persönliche Erfahrungen aufgeschrieben. Momentan fühle ich das Camp schon wieder hinter mir, während neue Ideen und Projekte warten. Der ganze Campprozess war soo intensiv - danach kamen erst einmal ein paar Tage des absoluten Nichtstuns in seinen schönsten Zügen, zusammen mit einem Gefühl von Leere, aber auch Erleichterung. Vorbei die ständige Arbeit immer mit Blick auf die Deadline, vorbei die Tage und Nächte am Computer bzw. auf einen freien Computer wartend, vorbei das Gefühl der Verantwortung für das riesige, aus mehr als den 30.000 offiziell angmeldeten TeilnehmerInnen bestehende Camp, vorbei, vorbei...

Die Wochen vor dem Camp, als die Arbeit immer konkreter wurde und das, worauf wir hinarbeiteten, in Form von ersten eintrudelnden Campern so langsam tatsächlich Gestalt annahm, wurde mir erst klar, in welchen riesigen Dimensionen sich alles abspielen würde. Die Kommission zuständig für Anmeldungen ging lange Zeit sogar von 50.000 TeilnehmerInnen aus! Ein selbstverwaltetes, basisdemokratisch organisiertes Camp, bei dem jede einzelne Person einbezogen wird in dieser Grösse ?! Ich war gespannt auf die reale Umsetzung dieses Experiments...


Und dann - plötzlich war schon der 24. Januar und das Camp fing einfach na. Ich hatte das Gefühl, dass noch so vieles gemacht werden musste, so vieles nicht bereit war. Und dennoch, die Massen kamen und das Camp nahm unaufhaltsam seinen Lauf.
Wie kann ich beschreiben, wie das Camp war ? Stellt euch ein grosses Festival mit politischem Anspruch vor, mit vielen politschen Workshops und das Ganze selbstverwaltet, d.h. getragen von allen einzelnen Anwesenden, mit wenig Lifemusik, aber einer Menge Soundsystems. Stellt euch die riesige Menge Menschen vor, die sich durch eine Zeltstadt schiebt, na Workshops teilnimmt, als Volunteer mitarbeitet, Schmuck verkauft oder einfach konsumiert. In dieser Zeltstadt, die in ihrer vollen Grösse nur für eine knappe Woche exisitiert, gibt es sieben sog. Aktionszentren wie z.B. den internationalistischen Caracol, das ökologisch Tupiguara usw. Viele Leute, die im Camp sind, nehmen das Camp aber gar nicht als eigenen Prozess wahr, sondern nur als Teil des Weltsozialforums - dementsprechend ihre geringe Teilnahme na Campaktivitäten.
Als grösste Schwierigkeit während des Campprozesses stellte sich der Versuch heraus, die Selbstverwaltung in dieser Grösse funktionierend aufrecht zu erhalten. In einigen Bereichen kann dies im Nachhinein durchaus als gelungen bezeichnet werden, während es in vielen anderen Bereichen weniger gut funktionierte. Mein Fazit für dieses Camp ist, dass in dieser riesigen Grösse, in dem begrenzten Zeitraum, in dem das Camp stattfindet und ohne das Vorhandensein einer diesen Faktoren angemessenen Struktur, ein Selbstverwaltungskonzept von vornherein fast zum Scheitern verurteilt ist. So kam es denn auch zu Situationen, die nur noch als Chaos ohne jegliche soziale Kontrolle beschrieben werden können. Aber eben diese soziale Kontrolle, die nur dadurch entstehen kann, dass alle Anwesenden den Campprozess als ihren Prozess sehen und sich dafür verantwortlich sehen, konnte sich dieses Jahr nicht entwickeln.

All die aufgetretenen Probleme sind für mich aber keine Zeichen, dass die Idee des Camps als gescheitert betrachtet werden muss, sondern viel mehr Zeichen, was in zukünftigen Camps oder anderen Projekten beachtet und anders gemacht werden muss. Wer hat schon wirklich Lebenserfahrungen von einem Leben in einer wirklichen Gemeinschaft unter Gleichen? Wer hat wirklich Erfahrungen darin, Probleme, die überall auftreten, ohne Autoritäten oder Macht zu lösen, sondern in gleicher Augenhöhe? Wer von uns ist wirklich bereit, mit der eigenen Kraft mühsam Alternative aufzubauen und diese vielleicht sogar Tag für Tag zu leben? Warum fügen wir uns Tag für Ta zähneknirschend ins System und probieren noch nicht einmal Alternativen aus? Eine Schlussfolgerung, die ich für mich aus meiner Zeit hier in Porto Alegre ziehe, ist die unbedingte Notwendigkeit, die Möglichkeit zum Machen solcher Erfahrungen, zu vervielfachen umd möglichst vielen Menschen, ähnliche Erfahrungen zu ermöglichen. Dies können kleinere, dezentrale Campprojekte sein, Leben in Gemeinschaft, konkrete politische Projekte wie Arbeitskollektive usw. So manifestieren sich unsere Träume schlicht und einfach als lebendige, mögliche Realitäten!


Trotz der Probleme war die Kraft, die Zusammenschlüsse Gleicher unter Gleichen in sich tragen, spürbar. Kein Warten auf Befehle oder Arbeitsaufträge, kein Abschieben von Verantwortung auf Autoritäten, kein Arbeiten mit zusammengebissenen Zähnen.

Die Mitarbeit im Campprozess war für mich in jeder Hinsicht intensiv. Ich habe ein paar Antworten, noch viel mehr neue Fragen und freue mich auf neue Eindrücke! Dazu muss ich aber erstmal zurückkommen...

PoA 2.2.05:
der wahnsinn hat ein ende...

Der Wahnsinn hat ein Ende... Vorbei - das camp ist vorbei und zu der reinen Erleichterung von gestern kommt heute schon wieder leichter Wehmut. Im Gegensatz zu der Besiedlung des Parks, die sich über mehrere Tage hinzog, war der Auszug absolut abrupt. Am 31. Januar standen noch fast alle Zelte-am 1.Februar war so gut wie keines mehr zu sehen. Wahrscheinlich hat zu dem schnellen Ende der einsetzende Regen und das kalte Wetter noch die letzten Camper überzeugt, aufzubrechen.

Eine erste Bilanz in Zahlen dieses 5.Camps:
28 000 offiziell registrierte Camper
30 000 - 40 000 tatsächlich anwesende Camper

Ich kann nicht sagen, ob das Camp als Ganzes ein Erfolg war oder nicht! Für mich war die Mitarbeit in der Organisation es auf jeden Fall wert, den weiten Schritt von Ecuador hierher gemacht zu haben.
Innerhalb der Vorbereitungsgruppe gab und gibt es auch die Convivencia, bzw. die solidarische Zusammenarbeit. Natürlich mit Ausnahmen und Gräben, aber ich war ja nicht mit alten Vorgeschichten belastet. Innerhalb der Vorbereitungsgruppe waren Zuständigkeitsfragen oder ähnliches, immer wieder Anlass zu Streitereien, aber die eigentliche Richtung des Camps bestand mehr oder weniger Einigkeit.
Das war bei den TeilnehmerInnen nicht der Fall. Darunter waren Leute, die wirklich aktiv an der Selbstverwaltung wollten, über Leute, die nur zum Party machen da waren, über Leute, die das Forum einfach zum Schlafen im Camp einquartiert hatte und die von der eigenständigen Idee des Camps wahrscheinlich in den meisten Fällen gar nichts wussten.
Allgemein ist das Camp meiner Meinung nach über die Grösse, in der ein Selbstverwaltungsmodell in dieser begrenzten Zeitspanne von 5-7 Tagen umsetzbar ist, hinausgewachsen. Vielleicht wäre Selbstverwaltung trotz der Grösse sogar noch möglich, aber dafür müssten auf jeden Fall kleinere Bezugseinheiten, wie Nachbarschaftsgemeinschaften o.ä. bestehen. Diese kleineren sozialen Gemeinschaften entwickelten sich aber nur in einigen Bereichen des Camps und nicht campweit.
Ohne es mir in der Analyse der Probleme einfach nur leicht machen zu wollen, sehe ich den Ursprung einiger dieser Probleme beim Forum. Besonders finanziell ist das Camp eben nicht so unabhängig, wie es gerne wäre. Wäre das Camp wirklich unabhängig, wäre wirkliche Selbstverwaltung mit aktiver Einbeziehung Aller einfach Existenzgrundbedingung. Durch die vorhandenene Gelder sind Grundstrukturen wie etwa grosse Teile der Infrastruktur einfach da, ohne dass darüber gross nachgedacht oder eigenes actives Handeln dafür notwendig wäre. Der Wegfall der finanziellen Unterstützung würde die nur durch das Geld des Forums künstlich aufgeblähte Grösse des Camps automatisch korrigieren. Mit der überdimensionierten Grösse hängen meiner Meinung nach die aufgetauchten Probleme direkt zusammen. Über die gesamte Dauer des Camps bestand ein ernsthaftes Sicherheitsproblem. Dieses Problem beschränkte sich nicht nur auf das massive Verschwinden von materiellen Dingen (so wurde mir, in manchen Bereichen des Camps eher Regel als Ausnahme, eine Tasche aus dem Zelt geklaut), sondern waren auch v.a. sexuellen Übergriffen gegen Frauen wie ständiges Angrapschen und mindestens einer dokumentierten Vergewaltigung. Ohne die Probleme wegreden zu wollen, muss hier erläutert werden, dass sich das Camp mitten in der Stadt befand, im Norden und Süden eingerahmt vom Forum. So sehr die Bestrebung auch da war, im Cam eine andere Welt aufzubauen, war das Camp doch immer im direkten Einfluss unserer real-existierenden, kapitalistischen Welt mit all ihren Problemen.

PoA 28.1.05:
Mitten drin, statt...

Seit langer Zeit hat der Boden hier im Park keine Feuchtigkeit mehr abgekriegt. Die Sonne knallt auf die Zeltstadt und die Luft über den Wegen ist staubig. Das Organisationskomitee, das ja nur für die vorbereitende Organisation zuständig war, hat sich tatsächlich aufgelöst.
Die Leute, die die letzten Wochen hier im Park in den verschiedenen Kommissionen gearbeitet haben, haben sich jetzt in die verschiedenen Aktionszentren verstreut.

Die Kommissionen sind also aufgelöst, aber natürlich verschwindet der Wissensvorsprung der Leute des Organisationskomitees nicht von heute auf morgen. Nur sind die Leute, die eben wissen, wo mmensch was wie organisieren kann, nicht mehr so leicht erreichbar! Trotzdem läuft das Camp. Probleme gibt es genug, aber egal wie viele es gibt (fast) Lösungen! Wie sollen Menschen, die direkt aus der hierarchisch strukturierten Alltagswelt kommen, ihre einstudierten Verhaltensweisen von einem Tag auf den anderen ablegen können?

PoA 24.1.05:
der stein ist im rollen...

So langsam nimmt das Camp also Gestalt an. Viele der Aktionszentren sind inzwischen aufgebaut, manche haben schon inneneinrichtung und die kabel werden verlegt. Immer wieder müssen alte Pläne über den Haufen geworfen werden, weil sie sich in der Realtät nicht bewähren. So mussten wir gestern den Translators Space Pangaea, der während des Camp Anlaufstelle für sämtliche übersertzungsaktivitäten sein wird, komplett umplanen. Die für die Infrastruktur dieses Aktionszentrum Verantwortlichen gehen die Sache richtig professionell an- mit Plänen und Vermessen. Hier in Brasilien gibt es so eine Art alternative Architekten, von denen Viele hier im Camp engagiert sind. Das Wetter ist immer noch blendend, blauer Himmel und glühende Hitze mit leichten Windböen-eigentlich ganz angenehem, wenn mensch nicht grade im Zelt schlafen will.

PoA 20.1.05:
der große ansturm steht bevor...

seit drei tagen steht fest, dass es wohl viel voller wird als erwartet. ohne, dass es wirklich absprache gab, hatte das forum auf das internet-einschreibeforumlar die option "ich möchte im camp wohnen" eingebaut und hat jetzt freundlicherweise erst vor drei tagen die infos zu dieser liste rausgegeben: 21.500 leute wollen demnach im camp wohnen!! dazu die fast 13.000, die sich direkt über die camp-website eingeschrieben haben, das sprengt dann schon, ohne die ganzen, die ohne anmeldugn kommen den rahmen des geplanten.
jetzt geht also drum zu hoffen, dasse s nicht so voll wird, dass das gewünschte kontrollierte chaos und durcheinander umschlägt in wüstes wiirwarr.aber das wird schon passen... und die leute , die herkommen wissen ja zum Großteile, oder werden es hoffentlich hier erfahren,d ass so ein camp nur funktioniert, wenn alle mitmachen... na ja, oder fast alle. aber konsumverhalten ist hier halt nicht angesagt. wird als spannender und so 500 leute sind bestimmt schon am zelten, aufbauen, kontakte knüpfen, diskutieren udn feiern. es wird eine riesige gruppe aus quebec geben, einige auch von dem youth camp dort, mit denen zusammen es nen workshop zu lokalen camps geben wird. zusammmen mit brasilianer/innen und allen, die interessiert sind! Insgesamt wird es ca. 550 Aktivitäten geben in den sieben Aktionzentren und etlichen kleineren veranstaltungsräumen (zelte, umgebaute überdachungen im park, kleine bühnen, eine große bühne usw.) also, mal sehen, was noch so alles passiert und wann die massen kommen...

PoA 12.1.05:
autonomie und der kleine unterschied

Was euch vermutlich relativ egal ist, aus Sicht von vor Ort aber auf jeden Fall immer wieder betont werden muss - ich arbeite nicht für das Weltsozialforum, sondern für das Camp, das zeitgleich stattfinden wird. Zugegeben, ich habe auch erst kurz bevor ich mich entschlossen habe, hier mitzumachen, von der Existenz des Camps erfahren. Das grössere, bekanntere Ereignis ist eben unbestritten das Weltsozialforum. Und ohne das Weltsozialforum hätte es auch die Camps wahrscheinlich nie gegeben.

Warum diese Unterscheidung? Das Weltsozialforum ist für organisierte Menschen, eine Spezies die RepräsentantInnen genannt werden, der Orgaprozess ist nicht wirklich transparent und nicht wirklich unabhängig (theoretisch sollen keine Politiker teilnehmen dürfen- nur was ist auf dem Titelbild des Buchs zum letzten Sozialforum? Ein fröhlich winkender Lula, der jetzt Brasiliens Präsident ist (und mit dem sich in Brasilien ungefähr gleich viel verändert hat wie in Deutschland mit Rot-Grün) und das kleine aber feine Logo der Petrobras, einer brasilianische Ölgesellschaft.).

So sieht ein Teil, der in der Organisation des Camps involvierten Personen, das Camp als wertvolle Ergänzung zum Weltsozialforum mit offeneren Strukturen, während Andere das Camp als Gegenveranstaltung sehen. Das spiegelt sich beispielsweise im Camplogo wieder, in dem das Logo des WSF mit der horizontalen Anordnung der Kontinente einfach auf den Kopf gestellt wurde.
So unabhängig wie Manche das Camp aber hätten, ist es in Realität aber dann doch nicht. Finanziell besteht schon allein wegen der immensen Grösse eine starke Abhängigkeit zum WSF, das seinerseits wiederum von der Unterstützung und dem politischen Wohlwollen des Rathauses in Porto Alegre abhängt. Und mit dieser Unterstützung ist es nach einem politischen Wechsel der regierenden Parteien dieses Jahr auf jeden Fall schlechter bestellt, als die anderen Jahre. Wie meinte ein Bewohner von Porto Alegre zu mir: Dieses Jahr wird das WSF evtl. wie ein Milchkaffee ohne Milch! Diese Abhängigkeit in der Unabhängigkeit ist einer der Widersprüche und Spannungsverhältnisse, in denen sich das Camp als Prozess bewegt.

PoA 8.1.05:
der prozess

Wie gesagt, der grosse Unterschied zwischen Camp und WSF ist der eigentliche Ablauf. Während das WSF nicht mehr und nicht weniger als eine grosse globale Plattform für Darstellung und Austausch von den sog. Nichtregierungsorganisationen (NGO's) sein will, will das Camp gleichzeitig die formulierten Ansprüche in gelebte Praxis umsetzen. Dabei geht es nicht nur um einen möglichst umweltverträglichen Ablauf oder um das Aufzeigen von Konsumalternativen , sondern eben ums Ganze: offene, basisdemokratische Selbstorganisation des gesamten Camps, d.h. das Camp als Gesamtprozess wird von allen einzelnen IndividualteilnehmerInnen getragen.

Die Grundidee, die dahinter steckt ist diese: Wie soll sich jemals irgendetwas dauerhaft in unserer Welt verändern, wenn sich nicht jedeR Einzelne ändert und seine Macht zur Veränderung einsieht. Wie soll sich jemals etwas ändern, wenn wenige Menschen, über die Zukunft unserer Erde und unserer Gesellschaft

Das Camp ist basisdemokratisch, selbsorganisiert und unabhängig, für alle Gruppen offen und zumindest dem eigenen Namen nach zu urteilen, interkontinental. Ich z.B. bin in der Arbeitsgruppe Übersetzung der Kommission Kommunikation gelandet und jetzt für die Koordination der Englischübersetzungen zuständig. Die Kommissionen arbeiten zu bestimmten Themen- oder Arbeitsbereichen und sind alle gleich gestellt. In Realität ists aber schon so, dass in manchen Kommissionen einzelne Leute das Sagen an sich gerissen haben - speziell, wenn die Personen jetzt eben schon das zweite oder dritte Camp in derselben Kommission mitvorbereiten. Die Arbeitsgruppe Übersetzung mit momentan 3 -5 KoordinatorInnen, wovon alle zum ersten Mal hier mitmachen und wo noch dazu viele AusländerInnen sind, wird den aufgezählten Idealen bisher weitestgehend gerecht.

Was die grösse des Camps betrifft, sind die meisten Leute hier vor Ort sich wohl bewusst, dass das Wachsen des Camps in diese riesige Dimension, die für dieses Jahr anvisiert wird, ein grosses Problem für basisdemokratische Selbstverwaltung und für das Ziel, alle am Camp Beteiligten zu einem Prozess zusammenzubringen darstellt. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, gibt es verschiedene Ansätze - von räumlichen Dezentralisierungskonzepten zur Rotation einiger Aktivitäten über die Schaffung von quasi kleinen Camps im Camp. Eine der Hauptideen besteht ja darin, einen offenen Raum zu bieten, in dem sich verschiedenste Individuen, Gruppen oder sonst was austauschen können und in irgendeiner Weise zusammenkommen. Dieses Zusammenkommen kann ja auch einfach bei einem Hip Hop-Konzert oder einer Party sein. Austausch ist Austausch!

Ich bin auf jeden Fall immer mehr auf das Camp gespannt, da das Chaos langsam Gestalt annimmt und auch optisch offensichtlich wird, dass hier in rund zwei Wochen der Bär steppen wird. Und auch das richtige Campen hat schon angefangen. Hatte bis vor wenigen Tagen nur ein Pärchen aus Uruguay sein Zelt beim Campbüro aufgeschlagen, ist die Anzahl der Zelte gestern sprunghaft auf zehn angestiegen! Itīs getting started!


PoA 6.1.05:
was hier los ist...

Seit dem 14.12. bin ich jetzt in Porto Alegre und seit ungefähr genau meiner Ankunft hier, bin ich auch schon in die Vorbereitungsorgagruppe des 5° Acampamento Intercontinental da Juventude reingerutscht. Seit 2001 ist Porto Alegre bekannt dafür, dass hier das Weltsozialforum (WSF) stattfindet. Dieses Jahr findet schon das fünfte WSF statt und das vierte in Porto Alegre. Schon während des ersten Forums entstand die Idee zu einem Camp parallel zum WSF, die auch schon sofort mit etwa 2500 Menschen umgesetzt wurde, die im Parque Harmonia zelteten. Ursprünglich aus der Notwendigkeit heraus entstanden vielen Menschen für die Zeit des Forums billige oder kostenlose Unterkunft zu besorgen, entwickelte sich das Acampamento immer mehr zu einem eigenständigen Prozess. War das erste Camp noch grossteils von organisierten Studierendenorganisationen organisiert, wurde in den folgenden Jahren zunehmend die Offenheit und Horizontalität wichtiger. Kurz gesagt, das Cam entwicklete sich vom organisierten Event bei dem die TeilnehmerInnen nur konsumierend mitmachen können zum von allen TeilnehmerInnen getragenen, basisdemokratischen Prozess.